Wenn der Stundenplan zur Escort-Seite führt

Veröffentlicht von Judy Meier am

Dieser Artikel wurde bereits 40x gelesen...

Eine Schulwebsite gilt schnell als vergleichsweise unkritisches System. Ein paar Termine, Formulare, Vertretungsinformationen und Kontaktdaten – was soll da schon passieren? Im baden-württembergischen Burladingen lieferte die Antwort zum Schuljahresbeginn ausgerechnet eine türkische Escort-Seite.

Unbekannte hatten den Internetauftritt des Schulverbunds Burladingen so manipuliert, dass Besucherinnen und Besucher auf ein externes, jugendgefährdendes Angebot weitergeleitet wurden. Betroffen waren damit genau jene Eltern und möglicherweise auch Kinder, die kurz vor dem Unterrichtsstart Informationen wie Stundenpläne abrufen wollten.

Nach Angaben der Stadt war die Umleitung von Sonntagabend bis Montagmorgen aktiv. Gegen 8:45 Uhr wurde die Seite abgeschaltet. Der externe Dienstleister nahm den Auftritt vollständig vom Netz und versetzte ihn in den Wartungsmodus. Die Polizei ermittelt. Wie viele Personen auf die fremde Seite gelangten, ist bislang nicht bekannt.

Die Stadt Burladingen erklärte, dass ausschließlich der Internetauftritt des Schulverbunds betroffen gewesen sei. Die internen Systeme der Schule und der Stadtverwaltung seien technisch getrennt. Hinweise auf einen Abfluss personenbezogener Daten lagen nach dem veröffentlichten Kenntnisstand nicht vor.

Öffentlich ist derzeit nicht bekannt, wie die Manipulation technisch umgesetzt wurde. Denkbar wären unter anderem ein kompromittiertes Redaktionskonto, eine ungepatchte CMS- oder Plugin-Schwachstelle, manipulierte Serverdateien, eine veränderte Weiterleitungsregel oder ein Eingriff in die Domain- beziehungsweise DNS-Konfiguration. Ohne forensische Ergebnisse wäre jede Festlegung darauf Spekulation.

Ein Backup einfach zurückzuspielen kann den Webauftritt wieder hübsch machen, beseitigt aber nicht zwingend die Ursache. Ein Angreifer mit weiterhin gültigen Zugangsdaten kommt sonst schneller zurück als die Meldung „Problem behoben“ geschrieben ist.

Quellen


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert