Berlin nimmt neues Finanzmanagementsystem vollständig in Betrieb
Dieser Artikel wurde bereits 26x gelesen...
Das Land Berlin hat die Modernisierung seiner Haushalts-, Kassen- und Rechnungsprozesse abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts „HKR-neu“ wurde die bisherige Lösung durch das Finanzmanagementsystem MACH meinERP ersetzt. Umgesetzt wurde das Vorhaben von der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen gemeinsam mit dem IT-Dienstleister MACH. Laut einer Pressemitteilung des Herstellers wurde das Altsystem Ende Juni 2026 endgültig abgelöst; seit Juli läuft die neue Lösung landesweit.
Seit der vollständigen Umstellung arbeiten nach Angaben der Projektverantwortlichen rund 11.700 Beschäftigte aus der Berliner Hauptverwaltung und den zwölf Bezirken mit dem neuen System.
Einführung in mehreren Etappen
Der Wechsel erfolgte nicht auf einen Schlag. Zunächst wurde die Lösung im Bezirk Pankow erprobt. Danach wurden die übrigen elf Bezirke nach Angaben von MACH in fünf Einführungswellen angebunden. In der abschließenden sechsten Phase wechselten die Hauptverwaltung, ihre nachgeordneten Behörden und mehr als 5.000 weitere Nutzerinnen und Nutzer in den Produktivbetrieb.
Dieses Vorgehen reduziert die Risiken bei umfangreichen Verwaltungsprojekten: Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb können ausgewertet und notwendige Anpassungen vorgenommen werden, bevor weitere Organisationseinheiten angebunden werden.
Zentrale Prozesse auf einer gemeinsamen Plattform
Das neue System unterstützt wesentliche Aufgaben der öffentlichen Finanzverwaltung. Dazu zählen:
- Haushaltsplanung und Haushaltsbewirtschaftung,
- Finanzbuchhaltung,
- Kosten- und Leistungsrechnung,
- Anlagenbuchhaltung,
- Kontokorrent,
- Berichts- und Auswertungswesen.
Über verschiedene Schnittstellen ist die Lösung in die bestehende IT-Landschaft des Landes eingebunden. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung entscheidet die Qualität solcher Schnittstellen wesentlich darüber, ob Prozesse tatsächlich durchgängig digital funktionieren oder lediglich neue Medienbrüche entstehen.
Millionen Datensätze migriert
Neben der technischen Einführung war die Übernahme vorhandener Daten eine zentrale Aufgabe. Mehr als sieben Millionen Belege sowie weitere Finanz- und Verwaltungsdaten wurden in das neue System übertragen.
Begleitet wurde die Umstellung durch ein umfangreiches Schulungsangebot. Zum Einsatz kamen Präsenzveranstaltungen, Online-Kurse und Selbstlernmodule. Damit wurde berücksichtigt, dass eine neue Fachanwendung nicht allein durch ihre technische Bereitstellung erfolgreich wird. Entscheidend ist ebenso, ob die Beschäftigten sicher und effizient damit arbeiten können.
Was andere Verwaltungen daraus mitnehmen können
Das Berliner Projekt zeigt drei wichtige Erfolgsfaktoren großer Digitalisierungsvorhaben:
- Ein Pilotbetrieb schafft belastbare Praxiserfahrungen.
- Eine gestaffelte Einführung begrenzt technische und organisatorische Risiken.
- Datenmigration und Schulung müssen von Anfang an als eigenständige Teilprojekte behandelt werden.
Die vollständige Inbetriebnahme ist deshalb nicht nur ein Softwarewechsel. MACH bezeichnet das Vorhaben als eines der derzeit größten Finanzsoftwareprojekte der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Diese Einordnung stammt vom beteiligten Anbieter; die Größenordnung mit 11.700 Anwenderinnen und Anwendern und mehr als sieben Millionen migrierten Belegen verdeutlicht den Umfang unabhängig davon.
Das Projekt markiert den Abschluss einer mehrjährigen organisatorischen und technischen Transformation – und vermutlich den Beginn der üblichen Phase, in der niemand mehr sagen darf: „Im alten System ging das aber anders.“
Quellen
- MACH AG: „Das Land Berlin verwaltet seinen Haushalt ab sofort mit MACH“, Pressemitteilung vom 31. August 2026.
Hinweis: Angaben zu Projektumfang und Umsetzung beruhen überwiegend auf der Pressemitteilung des beteiligten Softwareanbieters.