d-you: Deutschlands EUDI-Wallet startet Anfang 2027
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Die deutsche staatliche EUDI-Wallet hat einen Namen: d-you. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) stellte Marke und Logo am 15. September 2026 vor. Der Start der ersten Ausbaustufe ist für den 2. Januar 2027 angekündigt. Rund 40 Partner aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sollen zum Auftakt eigene Anwendungen beisteuern.
Der Name verbindet nach Darstellung des BMDS das „d“ für digital und Deutschland mit „you“ – also dem Menschen, der seine Identitätsdaten kontrollieren soll. Das Handmotiv im Logo greift dieses Versprechen gestalterisch auf. Entscheidend wird allerdings weniger das Logo sein als die Frage, ob die Wallet im Verwaltungsalltag zuverlässig funktioniert.
Was zum Start möglich sein soll
Zum Start nennt das BMDS drei konkrete Anwendungsmöglichkeiten:
- das eigene Alter digital nachweisen,
- rechtssicher Verträge abschließen,
- ein Bankkonto eröffnen.
Weitere Nachweise und Funktionen sollen schrittweise folgen. Perspektivisch nennt die Bundesregierung unter anderem Personalausweis und Führerschein, persönliche Zertifikate, qualifizierte elektronische Signaturen, pseudonyme Anmeldungen und Zahlungsfunktionen.
Die App soll freiwillig und kostenlos nutzbar sein. Analoge Verwaltungsangebote sollen weiterhin bestehen bleiben. Das ist wichtig, denn eine digitale Brieftasche darf zusätzliche Möglichkeiten schaffen, aber nicht zur neuen Zugangshürde werden.
Nach Angaben des BMDS werden persönliche Daten verschlüsselt auf dem Endgerät gespeichert und verarbeitet. Eine zentrale Speicherung oder Profilbildung soll technisch ausgeschlossen sein. Nutzerinnen und Nutzer sollen außerdem gezielt nur die Angaben weitergeben können, die für einen Vorgang tatsächlich erforderlich sind – beispielsweise die Bestätigung der Volljährigkeit statt des vollständigen Geburtsdatums.
Die Wallet basiert auf gemeinsamen europäischen Standards und soll dadurch grenzüberschreitend einsetzbar werden. Grundlage ist die novellierte eIDAS-Verordnung. Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, mindestens eine Wallet nach dem europäischen Rahmen bereitzustellen.
Was d-you für Kommunen bedeutet
Für Städte, Gemeinden und Landkreise ist die Wallet nicht nur eine weitere Smartphone-App. Verwaltungsleistungen und Fachverfahren müssen digitale Nachweise künftig prüfen und verarbeiten können.
Die Bundesregierung beschreibt dafür zwei mögliche Anbindungswege: über die BundID oder direkt an die EUDI-Wallet. Kommunen und Fachverfahrenshersteller sollten deshalb frühzeitig klären,
- welche Verwaltungsleistungen von digitalen Identitätsnachweisen profitieren,
- welche Nachweise tatsächlich benötigt werden,
- wie vorhandene Fachverfahren und Online-Dienste angebunden werden,
- wie Datenschutz, Protokollierung und Berechtigungen umgesetzt werden,
- und wie alternative Verfahren für Menschen ohne Wallet erhalten bleiben.
Für Organisationen steht bereits eine Testumgebung zur Verfügung, in der Wallet-Anwendungen erprobt werden können. Der Quellcode der staatlichen Wallet soll öffentlich zugänglich gemacht werden. Das ermöglicht unabhängige Prüfungen und kann die Nachvollziehbarkeit der Sicherheitsarchitektur verbessern.
Staatliche Wallet ist nur der Anfang
Neben d-you sollen später auch Wallets anderer Anbieter zugelassen werden können. Nach aktueller Planung des BMDS soll die Zertifizierung alternativer Lösungen ungefähr zwölf Monate nach Einführung der staatlichen Wallet möglich werden.
Entwickelt wird die staatliche Lösung unter Federführung der Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND). Beteiligt sind unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die Bundesdruckerei und Fraunhofer AISEC.
Mit d-you erhält das deutsche EUDI-Wallet-Projekt nun ein sichtbares Gesicht. Ob daraus ein alltagstaugliches Werkzeug für Bürgerinnen, Bürger und Verwaltungen wird, entscheidet sich jedoch an Schnittstellen, Akzeptanz und stabilen Prozessen. Ein hübsches Icon ist schließlich noch keine funktionierende Verwaltungsdigitalisierung – wäre ja auch zu bequem.
Quellen
- Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung: „d-you: Deutschland startet digitale Identität für alle“, Pressemitteilung vom 15. September 2026.
- Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung: Projektinformationen zur EUDI-Wallet.
- Bundesregierung/SPRIND: Offizielles Informationsportal zur EUDI-Wallet.
- Europäische Kommission: European Digital Identity Regulation.