Hamburg will den Absprung von Microsoft – bringt openDesk digitale Kehrtwende?

Veröffentlicht von maikom am

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Digitale Souveränität ist in aller Munde – und die Hamburger Politik will nachziehen. Nach Schleswig-Holstein prüft nun auch der Stadtstaat Hamburg den Abschied von Microsoft Office / Microsoft 365. Der Weg soll zu Open-Source-Alternativen wie openDesk führen.

Noch im Januar verteidigten Hamburger Abgeordnete die Nutzung von Microsoft-Software im Rathaus vehement als „Marktstandard“, der tief in die Behördenabläufe integriert sei. Doch im Mai 2026 folgte die Kehrtwende: Die Hamburgische Bürgerschaft beschloss mit breiter Parteienmehrheit (SPD, Grüne, CDU und Linke), den Umstieg auf die Open-Source-Plattform openDesk zu prüfen.

Ziel der Initiative ist es, die strategische Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung vom US-Tech-Riesen Microsoft schrittweise zu reduzieren. Bis zum 1. Dezember 2026 soll der Senat nun analysieren, wie ein solcher Wechsel gelingen kann.

Hamburg schaut dabei auf das benachbarte Schleswig-Holstein. Dort ist der Wandel bereits im vollen Gange:

  • Massenhafter Umstieg: Nahezu alle Verwaltungsarbeitsplätze nutzen bereits die freie Bürosuite LibreOffice.

  • Massive Ersparnis: Die Landesregierung rechnet mit einer Ersparnis von rund 15 Millionen Euro pro Jahr an Lizenzgebühren.

  • Klare Frist: Die bestehenden Microsoft-Verträge werden nach ihrem Auslaufen im Jahr 2029 nicht mehr verlängert.

Für Hamburg ist Open Source kein Neuland: Im gemeinsamen Rechenzentrum Dataport laufen bereits 40 % der Server und 70 % der Middleware auf Open-Source-Basis. Der Schritt auf den Arbeitsplätzen der Verwaltungsangestellten ist somit die logische Konsequenz.

Die Gründe für den Abschied von proprietärer Software gehen weit über finanzielle Aspekte hinaus:

  1. Datenschutz & Cloud-Zwang: US-Gesetze wie der CLOUD Act (2018) verpflichten amerikanische Konzerne, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren – unabhängig vom Serverstandort. Microsofts Strategie, Cloud-Speicher zum Standard zu machen und auf reine Abo-Modelle umzustellen, verstärkt die Bedenken in Europa.

  2. Nationale Initiativen: Auf Bundesebene gilt seit Frühjahr 2026 die Vorgabe, dass amtliche Dokumente vorrangig in offenen Formaten herausgegeben werden müssen. Auch Städte wie München und Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern setzen verstärkt auf Open-Source-Strategien.

Grünen-Politiker verglichen die IT-Abhängigkeit von einzelnen US-Konzernen treffend mit der früheren Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen: Ein einziges Monopol bedeutet ein hohes Risiko für die Handlungsfähigkeit des Staates.

Die Herausforderungen: Ist openDesk schon bereit?

So vielversprechend die Pläne klingen, ganz ohne Hürden verläuft der Wechsel nicht:

  • Funktionale Lücken: Studien zeigen, dass openDesk in Bereichen wie Echtzeit-Benachrichtigungen, Datenverarbeitung und manchen Sicherheitsfunktionen noch nicht auf Augenhöhe mit den ausgereiften Microsoft-Systemen liegt.

  • Lösung durch Kombination: Viele fehlende Funktionen lassen sich jedoch durch die Einbindung etablierter Open-Source-Tools wie Thunderbird oder LibreOffice kompensieren.

  • Laufende Entwicklung: Da openDesk aktiv vom Bund und weiteren Partnern weiterentwickelt wird, schließen sich die Lücken stetig.

Ist der Umstieg auf Open Source in der öffentlichen Verwaltung der richtige Weg, oder überwiegen für dich die Umstellungsprobleme? Nutzt du selbst bereits Open-Source-Alternativen im Alltag? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Kategorien: Allgemein

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