Mecklenburg-Vorpommern aus Sharepoint wird Nextcloud

Veröffentlicht von maikom am

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Lange Zeit galt der Ausstieg aus den Ökosystemen der großen US-Tech-Giganten in der öffentlichen Verwaltung als theoretisches Ideal oder gar unüberwindbare Herkulesaufgabe. Doch im Norden Deutschlands wird aus Theorie nun handfeste Praxis: Mecklenburg-Vorpommern ersetzt schrittweise Microsoft SharePoint durch die quelloffene Collaborative-Cloud-Plattform Nextcloud.

Was als Pilotprojekt für rund 5.000 Mitarbeitende begann, wird nun im gesamten Bundesland ausgerollt: Über 50.000 Beschäftigte in Ministerien, Landesbehörden und kommunalen Einrichtungen sollen künftig mit der neuen Open-Source-Plattform arbeiten. Und SharePoint ist erst der Anfang: Auch bei Office-Anwendungen, Projektmanagement und Künstlicher Intelligenz setzt das Land konsequent auf digitale Souveränität.

Der vom landeseigenen IT-Dienstleister DVZ M-V GmbH betriebene Wechsel verläuft nach offiziellen Angaben erstaunlich geräuschlos.

  • Start & Status Quo: Die Umstellung begann Anfang 2026 bei zentralen Stellen. Die ersten 5.000 Arbeitsplätze wurden laut Chief Information Officer (CIO) Marco Anschütz ohne Reibungsverluste und ohne Datenverlust migriert.

  • Zielgruppe: Mittelfristig greifen rund 50.000 Beschäftigte der Verwaltung – von den Ministerien bis hin zu den Kommunen – auf das System zu.

  • Geplanter Funktionsumfang: Zum Start dient Nextcloud vor allem der sicheren Dateinetzwerkablage, Synchronisation und dem gemeinsamen Dokumentenmanagement in Echtzeit. Schrittweise folgen integrierte Chat- und Videokonferenz-Tools sowie vollständige Groupware-Funktionen.

Wer glaubt, Mecklenburg-Vorpommern tausche nur ein einzelnes Programm aus, greift zu kurz. Das Finanz- und Digitalisierungsministerium unter Minister Heiko Geue (SPD) verficht ein ganzheitliches Ökosystem-Konzept:

  1. Nextcloud als zentrales Dokumenten- und Kollaborations-Hub (Alternative zu SharePoint & OneDrive).

  2. OpenProject als standardisierte Open-Source-Lösung für das Projektmanagement (Alternative zu MS Project).

  3. LEA (Verwaltungs-Chatbot) als KI-Assistent auf Basis von OpenWebUI. Hier vermeidet das Land von Beginn an die Abhängigkeit von US-Anbietern wie OpenAI, Microsoft Copilot oder Google Gemini und betreibt die Modelle lokal auf eigenen Servern.

  4. Strategischer Office-Ausstieg: Nach dem SharePoint-Ausstieg steht nun auch die klassische MS-Office-Suite (Word, Excel, PowerPoint) auf dem Prüfstand. M-V plant, dem Beispiel des Nachbarbundeslandes Schleswig-Holstein zu folgen und mittelfristig auf offene Office-Alternativen wie LibreOffice / Open-Xchange oder das Bundes-Projekt openDesk umzusteigen.

Die 4 Hauptgründe für den Microsoft-Ausstieg

1. Digitale Souveränität & Kontrolle

Wer seine Daten auf Servern externer US-Hyperscaler speichert oder von geschlossenem Quellcode abhängig ist, verliert die Kontrolle über kritische staatliche Infrastrukturen. Mit Open-Source-Software behält die Verwaltung das volle Heft des Handelns in der Hand – von der Datenhaltung im eigenen DVZ-Rechenzentrum bis hin zu Sicherheitsentscheidungen.

2. Datenschutz & Compliance

Gerade im öffentlichen Sektor greifen strengste DSGVO-Vorgaben. Die Rechtsunsicherheiten bezüglich des US Cloud Acts und Datenübermittlungen in Drittstaaten entfallen komplett, wenn die Software lokal gehostet und unter freier Lizenz (AGPLv3) betrieben wird.

3. Vermeidung von Vendor Lock-in & Kostenkontrolle

Proprietäre Lizenzmodelle bergen das Risiko stetig steigender Abogebühren und erzwungener Funktions- oder Cloud-Upgrades. Durch offene Schnittstellen und frei zugänglichen Quellcode kann das Land Dienstleister flexibler wechseln, Anpassungen selbst vornehmen und langfristig Steuergelder einsparen.

4. Synergien über das ZenDiS und Bundesländer-Kooperationen

M-V steht mit dieser Strategie nicht allein da. Über das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) und in enger Abstimmung mit Schleswig-Holstein stimmen die Länder ihre IT-Architekturen aufeinander ab. Das ermöglicht gemeinsame Entwicklungen, geteilte Sicherheitskonzepte und gegenseitige Notfall-Absicherungen, statt dass jedes Bundesland das Rad neu erfindet.

Trotz des klaren Kurses betont die Landesregierung, dass der Wandel pragmatisch und schrittweise erfolgt. Microsoft wird nicht von heute auf morgen flächendeckend verbannt, wo spezialisierte Fachanwendungen noch zwingend darauf angewiesen sind.

Mecklenburg-Vorpommern zeigt gemeinsam mit Schleswig-Holstein, dass der Slogan „Public Money, Public Code“ kein Papiertiger sein muss. Der erfolgreiche Start der SharePoint-Ablösung beweist, dass moderne Open-Source-Infrastrukturen leistungsschweren Anforderungen im Behördenalltag gewachsen sind.

Kategorien: Allgemein

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