Tangerhütte KI-gesteuerter Cyberangriff auf Webportal
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Ein Cyberangriff auf das Digitale Rathaus der Stadt Tangerhütte in Sachsen-Anhalt sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Nach Einschätzung des Softwareentwicklers Innocon wurde die Attacke mithilfe Künstlicher Intelligenz durchgeführt. Sollte sich dies bestätigen, könnte es sich um den ersten öffentlich bekannt gewordenen KI-gesteuerten Angriff auf eine deutsche Kommune handeln.
Am 16. September 2026 wurde das Digitale Rathaus der Einheitsgemeinde Tangerhütte im Landkreis Stendal Ziel eines Hackerangriffs. Betroffen war eine Softwarelösung des örtlichen Unternehmens Innocon, die auf Systemen des kommunalen IT-Dienstleisters KID betrieben wird.
Nach Angaben von Innocon-Geschäftsführer Hagen Woecht nutzten die Angreifer eine bislang unbekannte Sicherheitslücke aus. Dabei soll es sich um eine sogenannte Zero-Day-Schwachstelle gehandelt haben, die zuvor auch bei Sicherheitsprüfungen nicht entdeckt worden war.
Der Angriff begann nachts. Am folgenden Morgen bemerkte ein IT-Mitarbeiter ungewöhnliche Aktivitäten. Der betroffene Server wurde daraufhin isoliert und vom Internet getrennt.
Das Digitale Rathaus musste vorsorglich abgeschaltet werden. Online-Dienstleistungen wie Terminvereinbarungen, Kita-Anträge und weitere Verwaltungsleistungen standen dadurch über mehrere Wochen nicht zur Verfügung. Die reguläre Verwaltung blieb jedoch arbeitsfähig.
Bei der anschließenden Untersuchung der gesicherten Protokolldateien stellten die Entwickler zwei Besonderheiten fest:
- Extrem hohe Geschwindigkeit: Die Angreifer führten Befehle in einer Geschwindigkeit aus, die nach Einschätzung des Softwareentwicklers nicht durch manuelle Eingaben erklärbar war.
- Dynamische Anpassung: Der Angriffscode wurde offenbar während des laufenden Angriffs weiterentwickelt und an die vorgefundene Umgebung angepasst.
Für Innocon-Geschäftsführer Hagen Woecht sprechen diese Merkmale deutlich für den Einsatz von KI. Auch externe IT-Sicherheitsexperten halten diese Einschätzung für plausibel.
Ein abschließender technischer Nachweis wurde bislang allerdings nicht öffentlich vorgelegt. Hochautomatisierte Angriffe sind grundsätzlich auch ohne generative KI möglich.
Nach Bekanntwerden des Angriffs informierte Innocon weitere Kommunen, die dieselbe Software einsetzen. Vier Kommunen nahmen daraufhin ihre Digitalen Rathäuser vorsorglich ebenfalls vom Netz.
Hinweise auf erfolgreiche Angriffe bei diesen Kommunen gab es nach Angaben des Softwareentwicklers nicht.
Nach bisherigen Erkenntnissen ist Tangerhütte vergleichsweise glimpflich davongekommen. Laut Innocon konnten die Angreifer lediglich auf Testkonten zugreifen. Echte Bürgerdaten sollen nicht abgeflossen sein.
Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ermittelt wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten. Ob tatsächlich Künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, konnte die Polizei zum Zeitpunkt der Berichterstattung weder bestätigen noch ausschließen.
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