Brandenburg rollt LLMoin landesweit aus

Veröffentlicht von Judy Meier am

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Brandenburg führt den KI-Assistenten LLMoin flächendeckend in der Landesverwaltung ein. Nach Angaben zum Roll-out soll die Lösung bis Ende September 2026 allen Ministerien und einem Großteil der obersten Landesbehörden zur Verfügung stehen. Beteiligt sind das Ministerium der Justiz und für Digitalisierung Brandenburg (MdJD), der Zentrale IT-Dienstleister Brandenburg (ZIT-BB) und die DigitalAgentur Brandenburg (DABB). Entwickelt wurde LLMoin von Dataport. Für die öffentliche Verwaltung ist das ein wichtiger Schritt, weil generative KI damit nicht mehr nur in Pilotprojekten getestet, sondern in einen geregelten Verwaltungsbetrieb überführt wird.

Der Vorgang in Brandenburg ist vor allem deshalb relevant, weil er einen Übergang markiert: von punktuellen Erprobungen hin zu einer strukturierten KI-Grundversorgung. Nach Berichten zum Roll-out ist eine Versorgung für rund 20.000 Beschäftigte vorgesehen. Damit wird KI nicht mehr nur als Innovationsthema behandelt, sondern als Teil der digitalen Arbeitsinfrastruktur der Verwaltung.

LLMoin wird von Dataport als KI-Textassistent für den Public Sector beschrieben. Das System soll Beschäftigte unter anderem beim Schreiben, Umformulieren und Strukturieren von Texten unterstützen. Außerdem werden Funktionen wie Zusammenfassungen, Recherchen, Vorlagenarbeit und Unterstützung bei typischen Verwaltungsaufgaben genannt. In Berichten über den Brandenburg-Roll-out ist von Unterstützung bei Texten und Dokumenten, Zusammenfassungen und Recherchen sowie der Erstellung von Vorlagen die Rede.

Damit ist die Rolle des Systems klar eingegrenzt: LLMoin soll keine Entscheidungen treffen, sondern vorbereitende Arbeiten erleichtern. Für die Praxis in der Verwaltung ist genau diese Einordnung wichtig. Ein Assistenzsystem kann Routineaufgaben beschleunigen, ersetzt aber weder Fachverfahren noch die rechtliche oder fachliche Verantwortung der Beschäftigten.

Der erwartete Nutzen liegt vor allem in der Entlastung von Routinearbeit. In Verwaltungen entstehen täglich große Mengen an Schriftgut: E-Mails, Vermerke, Vorlagen, Stellungnahmen, Prüfvermerke, Zusammenfassungen und Abstimmungsunterlagen. Ein KI-Assistenzsystem kann hier Vorarbeiten übernehmen, Texte strukturieren oder längere Inhalte verdichten. Das spart vor allem dort Zeit, wo Beschäftigte regelmäßig ähnliche Schreib- und Rechercheaufgaben bearbeiten.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Roll-out in Brandenburg nach den verfügbaren Informationen von Schulungen begleitet wird. Zudem wurden in Behörden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet, die das System vorab erproben konnten. Das zeigt, dass der Nutzen nicht allein an der Software hängt. Entscheidend ist, ob die Einführung organisatorisch begleitet wird, ob Beschäftigte die Grenzen des Systems kennen und ob es konkrete Einsatzszenarien für den Verwaltungsalltag gibt.

Für die öffentliche Verwaltung ist nicht nur entscheidend, was ein KI-System kann, sondern unter welchen Bedingungen es betrieben wird. Die brandenburgische Datenschutzbeauftragte hat 2026 betont, dass beim Einsatz von KI in der Regel auch personenbezogene Daten verarbeitet werden und Risiken wie Halluzinationen, Bias oder Diskriminierung schon in der Planungsphase berücksichtigt werden müssen. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass es bei einer ursprünglich geplanten Lösung erhebliche datenschutzbezogene Defizite gegeben habe. Die Landesregierung habe diese Planung aufgegeben und stattdessen vorgesehen, zunächst das bereits in anderen Bundesländern eingesetzte System LLMoin bereitzustellen.

Auch der Roll-out selbst wurde nach den vorliegenden Berichten durch eine gemeinsame Verwaltungsvorschrift des Digitalministeriums und des Innenministeriums für die Landes- und kommunale Ebene flankiert. Sie ist seit dem 3. September 2026 in Kraft und soll Grundsätze für den Einsatz des KI-Assistenten festlegen. Hinzu kommt ein zentraler Grundsatz, der für jede Behörde relevant ist: Die Verantwortung für Entscheidungen und die Qualität der Arbeitsergebnisse verbleibt bei den Beschäftigten. KI-Unterstützung entbindet also nicht von fachlicher Prüfung.

Auch wenn sich der aktuelle Roll-out auf die Landesverwaltung Brandenburg konzentriert, hat das Projekt unmittelbare Relevanz für Städte, Gemeinden und Landkreise. Zum einen, weil der Einsatz von KI in der Verwaltung zunehmend zentral organisiert wird. Zum anderen, weil Kommunen in Brandenburg ausdrücklich in die weitere Perspektive einbezogen sind: Nach dem flächendeckenden Einsatz auf Landesebene soll ab 2027 auch die Versorgung der brandenburgischen Kommunen mit LLMoin beginnen.

Hinzu kommt ein bereits praktisches Beispiel aus der kommunalen Ebene. Dataport teilte im März 2026 mit, dass die Gemeinde Grünheide (Mark) als erste Kommune in Brandenburg LLMoin einsetzt. Für Kommunen steht die Lösung laut Dataport in einer Shared-Umgebung zur Verfügung, die im hochsicheren Twin Data Center bereitgestellt wird. Die Daten bleiben dabei logisch getrennt, und die browserbasierte Lösung funktioniert nach Angaben von Dataport auch ohne Landesnetz-Anbindung. Gerade für kleinere Kommunen ist das ein relevanter Punkt, weil dort häufig keine umfangreiche eigene KI-Infrastruktur aufgebaut werden kann.

Für Kommunen zeigt der Fall Brandenburg vor allem, dass der KI-Einsatz nicht als reine Produktfrage betrachtet werden sollte. Entscheidend sind Governance, Datenregeln, Zuständigkeiten, Schulung und Qualitätssicherung. Wer KI im Verwaltungsalltag nutzen will, braucht klare Festlegungen dazu, welche Anwendungsfälle sinnvoll sind, welche Daten verarbeitet werden dürfen, wie Ergebnisse geprüft werden und wer fachlich verantwortlich bleibt.

Brandenburg liefert hierfür einen konkreten Praxisfall. Die Einführung erfolgt nicht als unkontrollierte Öffnung für beliebige KI-Dienste, sondern als strukturierter Roll-out mit organisatorischer Begleitung. Für kommunale IT- und Digitalisierungsverantwortliche ist genau das die eigentlich interessante Botschaft: Der Mehrwert von KI entsteht nicht allein durch das Modell, sondern durch ein belastbares Betriebs- und Regelungsmodell.

Der landesweite Roll-out von LLMoin in Brandenburg zeigt, wie generative KI schrittweise in die Verwaltungsrealität überführt wird: zentral organisiert, organisatorisch begleitet und mit klarem Fokus auf den unterstützenden Einsatz. Für Kommunen ist das kein fernes Landesthema, sondern ein konkreter Hinweis darauf, wie künftige KI-Nutzung in der öffentlichen Verwaltung aussehen kann. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr nur, ob KI eingesetzt wird, sondern unter welchen rechtlichen, technischen und organisatorischen Bedingungen sie im Verwaltungsalltag tragfähig ist.

Quellen:

Kategorien: KI

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