90 Millionen Euro Verlust: Dataports Projekt Phoenix

Veröffentlicht von maikom am

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Digitale Souveränität gehört inzwischen zu den wichtigsten strategischen Zielen der öffentlichen Verwaltung. Doch der Weg weg von der Abhängigkeit großer US-Softwarekonzerne ist weder einfach noch automatisch günstiger. Das zeigt das Projekt „Phoenix“ des öffentlichen IT-Dienstleisters Dataport. Rund 140 Millionen Euro Aufwand standen am Ende einem wirtschaftlichen Verlust von etwa 90 Millionen Euro gegenüber. Der Hamburger Rechnungshof übt deutliche Kritik an Projektsteuerung, Controlling und Risikomanagement.

Der Fall ist gerade für Kommunen interessant. Denn er zeigt einerseits die Schwierigkeiten großer IT-Transformationsprojekte – andererseits aber auch, dass das eigentliche Ziel eines digital souveränen Verwaltungsarbeitsplatzes keineswegs aufgegeben wurde. Teile der Entwicklung leben heute im bundesweiten Projekt openDesk weiter.

Der öffentliche IT-Dienstleister Dataport startete das Programm Phoenix im Jahr 2019. Ziel war ein digital souveräner Arbeitsplatz für die öffentliche Verwaltung.

Statt eine vollständig neue Office-Suite zu programmieren, sollten bestehende Open-Source-Komponenten zu einer integrierten Arbeitsumgebung verbunden werden. Damit sollte eine Alternative zu den weit verbreiteten Lösungen von Microsoft geschaffen und die Abhängigkeit der Verwaltung von einzelnen internationalen Technologieanbietern reduziert werden.

Die Grundidee war durchaus nachvollziehbar: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail, Kalender, Videokonferenzen, Filesharing und weitere Funktionen sollten innerhalb einer souverän betreibbaren Plattform zusammengeführt werden.

Nach Angaben des Rechnungshofs der Freien und Hansestadt Hamburg waren bis zur Sitzung des Dataport-Verwaltungsrats im Juni 2024 bereits rund 140 Millionen Euro finanzieller Aufwand für Phoenix entstanden.

Bei der späteren Neubewertung zeigte sich dagegen, dass für eine uneingeschränkte Fortsetzung des Projekts nach damaliger Schätzung weitere rund 100 Millionen Euro erforderlich gewesen wären.

Selbst für den beschlossenen Rückzug aus bestehenden Verpflichtungen bis Ende 2025 wurden noch mindestens 32 Millionen Euro zusätzliche Aufwendungen veranschlagt.

Der Hamburger Rechnungshof kommt in seinem Jahresbericht 2026 zu einer ungewöhnlich deutlichen Bewertung. Die finanziellen Aufwände und Risiken seien bei Phoenix erheblich unterschätzt worden.

Interne und externe Überprüfungen stellten fest, dass Phoenix wirtschaftliche und finanzielle Risiken aufwies und als Produkt noch nicht ausreichend wettbewerbsfähig war.

Der Rechnungshof nennt unter anderem Probleme bei:

  • der wirtschaftlichen und finanziellen Steuerung,
  • der organisatorischen und inhaltlichen Projektsteuerung,
  • der Dokumentation,
  • dem Risikomanagement sowie
  • den internen Kontrollmechanismen.

Besonders kritisch erscheint rückblickend, dass eine Prüfung des Projekts durch die interne Revision verschoben wurde. Diese begann schließlich erst Mitte Oktober 2024 – zu einem Zeitpunkt, als wesentliche wirtschaftliche Entscheidungen bereits gefallen waren.

Als sich die Schwierigkeiten abzeichneten, versuchte Dataport gegenzusteuern. Zwischen Oktober 2023 und März 2024 wurde unter anderem zusätzliches Personal eingesetzt.

Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus. Nach Angaben des Rechnungshofs lagen die Personalkosten für Phoenix im Jahr 2024 rund 70 Prozent über denen des Vorjahres.

Gleichzeitig sprangen potenzielle Auftraggeber ab. Der Rechnungshof nennt ausdrücklich Schleswig-Holstein, das sich unter anderem aufgrund von Verzögerungen und fehlenden Sicherheitskonzepten zurückgezogen hatte. Damit entfielen wiederum erwartete Erlöse.

Dataport zog schließlich die Konsequenzen und beendete die eigenständige Weiterentwicklung von Phoenix.

Alle Investitionen für den Arbeitsplatz Phoenix wurden 2024 abgeschrieben. Allein diese Sonderabschreibung belief sich nach Angaben von Dataport auf 36,5 Millionen Euro.

Dataport schloss das Geschäftsjahr 2024 mit einem Jahresfehlbetrag von 28,9 Millionen Euro ab.

Den gesamten wirtschaftlichen Verlust aus Phoenix beziffert Dataport selbst auf rund 90 Millionen Euro.

Das Projekt Phoenix ist als eigenständiges wirtschaftliches Produkt von Dataport gescheitert. Daraus folgt jedoch nicht, dass sämtliche Entwicklungsarbeit wertlos geworden ist. Bereits 2022 hatte das Bundesinnenministerium Dataport mit der Entwicklung einer Community-Version eines digital souveränen Arbeitsplatzes auf Basis von Phoenix beauftragt. Anfang 2024 wurde diese Community-Version an das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) übergeben.

Dort wird der digitale Arbeitsplatz unter dem Namen openDesk weiterentwickelt.

Das Ergebnis des Projekts Phoenix fällt finanziell eindeutig negativ aus. Rund 140 Millionen Euro Aufwand, ein von Dataport selbst bezifferter wirtschaftlicher Verlust von rund 90 Millionen Euro und deutliche Kritik des Rechnungshofs an Projektsteuerung und Risikomanagement können nicht kleingeredet werden.

Quellen:

  • Rechnungshof der Freien und Hansestadt Hamburg: Jahresbericht 2026 – Bilanzanalyse Dataport 2024 / Programm Phoenix
  • Dataport: Abschluss des Programms Phoenix – Übergabe des digitalen Arbeitsplatzes an ZenDiS, 15.10.2025
  • Deutscher Bundestag: Informationen zum souveränen Arbeitsplatz und zur Einführung von openDesk in der Bundesverwaltung
  • Bund der Steuerzahler: Schwarzbuch 2026 – „Phoenix wollte niemand haben“
  • NDR: Berichterstattung zum Millionenverlust bei Dataport
  • Apollo News: „90 Millionen Verlust: Staatliche Microsoft-Alternative wird zum Steuergeld-Desaster“, 03.10.2026

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