Dänemark stoppt Open-Source-Umstieg: Microsoft Office bleibt in der Verwaltung

Veröffentlicht von maikom am

Dieser Artikel wurde bereits 1x gelesen...

Dänemark hat ein Pilotprojekt zur Ablösung von Microsoft Office durch die Open-Source-Lösung Collabora beendet. Ausschlaggebend waren erhebliche Probleme bei der Darstellung vorhandener Office-Dokumente.

Der Fall zeigt, wie schwierig es für öffentliche Verwaltungen ist, sich aus der Abhängigkeit von großen Softwarekonzernen zu lösen.

Im Jahr 2025 hatte Dänemark angekündigt, seine Verwaltung unabhängiger von US-amerikanischen Softwareanbietern machen zu wollen. Dazu sollte unter anderem Microsoft Office durch quelloffene Alternativen ersetzt werden.

In einem Pilotprojekt mit 38 Mitarbeitern verschiedener Ministerien wurde die Office-Lösung Collabora getestet.

Allerdings traten bereits bei der Übernahme bestehender Dokumente erhebliche Schwierigkeiten auf. Microsoft-Office-Dateien wurden teilweise fehlerhaft dargestellt. In einigen Fällen erschienen beim Öffnen sogar vollständig leere Seiten.

Die Probleme waren so gravierend, dass das Projekt nach Medienberichten beendet wurde. Eine umfassende Bewertung der eigentlichen Leistungsfähigkeit von Collabora fand nicht mehr statt.

Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Dokumentenformate.

  • OOXML: Das von Microsoft geprägte und standardisierte Format, das unter anderem bei DOCX-, XLSX- und PPTX-Dateien verwendet wird.
  • ODF: Das offene Dokumentenformat, das insbesondere von LibreOffice und anderen quelloffenen Office-Anwendungen unterstützt wird.

Obwohl beide Formate standardisiert sind, ist eine vollständig identische Darstellung komplexer Dokumente zwischen verschiedenen Office-Programmen nicht immer gewährleistet.

Besonders problematisch können umfangreiche Formatierungen, Tabellen, eingebettete Objekte, Vorlagen und spezielle Microsoft-Office-Funktionen sein.

Die Document Foundation, die hinter LibreOffice steht, kritisiert seit Langem die praktische Interoperabilität von Microsofts OOXML-Format und wirft Microsoft vor, bestehende Abhängigkeiten durch unzureichende Kompatibilität zu verstärken.

Das Scheitern des dänischen Pilotprojekts bedeutet nicht, dass Open-Source-Office-Lösungen grundsätzlich ungeeignet für öffentliche Verwaltungen sind.

Vielmehr verdeutlicht es, dass digitale Souveränität nicht allein durch den Austausch einzelner Programme erreicht werden kann.

Entscheidend sind offene Standards, kompatible Fachverfahren und die Möglichkeit, Dokumente langfristig unabhängig von einem bestimmten Softwarehersteller zu bearbeiten.

Dänemarks gescheiterter Umstieg ist ein Warnsignal für die öffentliche Verwaltung in Europa.

Die Abhängigkeit von Microsoft entsteht nicht nur durch Lizenzverträge, sondern auch durch jahrzehntelang gewachsene Dokumentenbestände, Fachverfahren und technische Schnittstellen.

Quellen und weiterführende Informationen


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert